Synth-Wave-Duo aus Stuttgart legt wortgewandt und geistreich nach – photophor nutzen musikalisch breites Spektrum der Schwarzen Szene
Bereits der Albumtitel „no music for the masses“ ist aussagekräftig: Wer sich auf photophor einlässt, darf nicht mit stromlinienförmiger, massentauglicher Fließbandware rechnen. Der zweite photophor-Longplayer enthält genretypische, abwechslungsreiche Stücke mit wortgewandten, aussagekräftigen Texten, die zum Nachdenken anregen. Er liefert keinen belanglosen Inhalt, kein vorhersehbares Gedudel. „Aus der Szene für die Szene“, beschreibt Bandleader Asch der Anspruch der Stuttgarter Synth-Wave-Band.
Nur ein Jahr nach Erscheinen des erfolgreichen Debüt-Albums „Der Wahn als Methode“ (Platz 2 in den Deutschen Alternative Charts) legt das Duo nach. Das neue Album beinhaltet abermals sowohl deutsch- als auch englischsprachige Texte. Der Stil variiert zwischen temporeichen und balladenhaften Stücken. Die Songs beschäftigen sich mit Verlusten, Ängsten und mannigfaltigen Gefühlswelten, setzen sich auseinander mit Konventionen oder beinhalten Gesellschaftsanalysen. photophor zeichnen in ihren Texten Machtmechanismen nach, beschreiben Emotionen wie tiefe Trauer oder Einsamkeit und charakterisieren menschliches Verhalten. Teils düster, teils mitreißend, stets pointiert und wortgewandt. Anklagend und kraftvoll kommt der Opener „Der Jugend beraubt“ daher. Ein Song, der sich mit Missbrauch und Missachtung von Kindern und Jugendlichen auf der ganzen Welt auseinandersetzt. Anders als gewohnt, begnügen sich photophor hierbei mit wenigen Worten. Keine noch so umfangreiche Formulierung könne das bedrückende Thema in Gänze umschreiben, erklärt Asch den eher knappen Text, der es bei wenigen Begriffen belässt – seine Wirkung jedoch nicht verfehlt.
„Die Wesenheit“ bedient gepflegt den düsteren Gruselfaktor; „Paradox“ hat das Zeug zum Clubhit; pure Wehmut und Melancholie hingegen versprüht jeder Ton von „Nothing“ und „Lonely in a crowd“. Auf der Scheibe ebenfalls enthalten sind die beiden Top-10-Singles (DAC) „Timetravel“ und „The Call“.